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Alte Apotheken von Riga
Alte Apotheken von Riga
Einleitung
Die 20 ältesten Apotheken in Riga
Die Rats-Apotheke oder die Große Apotheke
Die Kleine oder die Elephanten-Apotheke
Die Kalkstraßen-Apotheke
Die Apotheke Prevosts
Die Garnisonsapotheke oder die Schwan-Apotheke
Die Hirsch-Apotheke
Die Löwen-Apotheke
Die Lastadie-Apotheke
Die Grüne Apotheke
Die Krons-Feldapotheke
Die Vorstadt-Apotheke
Die Blaue Apotheke
Die Kliverholm-Apotheke
Die Jesus Kirchen-Apotheke
Die Altstadt-Apotheke
Die Apotheke von Āgenskalns
Die Apotheke der Alexanders-Höheanstalt
Die Suvorov-Apotheke
Die Homöopathische Apotheke
Die Große Moskauer Apotheke
Apotheker und Apotheken des alten Riga
Kaulu veselība

Die Kalkstraßen-Apotheke
 

Die Kalkstraßen-Apotheke ist die drittälteste Apotheke in Riga und wurde 1655 eröffnet. Sie befand sich am Ufer des Rigibachs, am Übergang über dem Rigibach, der auch Kalkbrücken genannt wurde, gegenüber der Segstraße. Nach dem jetzigen Stadtplan lag die Apotheke ungefähr an der Ecke von Kalkstraße und Schmiedestraße. Der Name der Kalkstraße kommt aus dem 15. Jahrhundert, als die Straße auf Niederdeutsch "Kalkstrate" genannt wurde, im Lateinischen - platea cementi. Ihren Namen bekam die Straße von der Kalkbrennerei, die sich am anderen Ufer des Rigibachs befand.
 

Der Gründer und der erste Besitzer der Apotheke war Samuel Colerus (~1637-1701), ihm gehörte die Apotheke von 1655 bis 1701. Samuel Colerus wurde in Mecklenburg geboren, lernte in Deutschland und 1650 kam nach Riga, um als Geselle in der Großen Apotheke zu arbeiten. Die 5 Gesellenjahre war er aktiv genug, denn in dieser Zeit bekam Colerus die Erlaubnis des Rats, einen Gewürzladen zu eröffnen. Damals war es sehr schwer, solche Erlaubis zu erhalten. 1653 begann der Gewürzladen seine Arbeit, und dessen Besitzer hatte den Traum von einer Apotheke. Es war noch komplizierter, die Erlaubnis für die Eröffnung einer Apotheke vom Rat zu bekommen, doch Colerus schaffte auch das. Nach 2 Jahren bestand er die Apothekerprüfung, und am 17. Januar 1655 bekam er die Erlaubnis, den Gewürzladen in eine Apotheke umzuwandeln. Die neue Apotheke, die den Namen „Kalkstraßen-Apotheke“ bekam, arbeitete mit Erfolg. Davon zeugt die Tatsache, dass Colerus schon 1662 Mitglied der Großen Gilde wurde, d. h., er wurde im Kreis der reichsten und bedeutendsten Rigaer Bürger aufgenommen. Es besteht kein Zweifel daran, dass man diese Ehre verdienen musste. Colerus hatte das geschafft. Seit 1658 war er Bürger von Riga und hat Elisabeth Clocovius geheiratet – eine Witwe mit zwei Kindern, für die er sorgte. Der gute Ruf der Kalkstraßen-Apotheke wuchs mit jedem Jahr. Die Rigaer Bürger brauchten die Apotheke und, als der große Brand im Jahre 1689 die Apotheke teilweise zerstörte, wurde sie wieder erneuert. Die Apotheke erlitt große Verluste, deshalb nahm sie ihre Arbeit erst 1695 wieder auf. Samuel Colerus ertrug tapfer alle Schicksalsschläge, arbeitete energisch an der Wiedererneuerung der Apotheke und starb 1701. Sein ganzes Vermögen vermachte er seinem Sohn.
 

Joachim Colerus (1668-1707) wurde Besitzer der Apotheke nach dem Tod des Vaters. Er lernte zum Apotheker in der Rats-Apotheke in Reval und schon seit 1695, als sein Vater noch am Leben war, leitete die Kalkstraßen-Apotheke. Anna Elisabeth von Schultzen wurde zu seiner Frau. Leider lebte Joachim nur 39 Jahre, er überlebte seinen Vater um 6 Jahre und starb 1707 ohne Erben. Deshalb gehörte die Kalkstraßen-Apotheke der Familie Colerus nur zwei Generationen.
 

Die Witwe von Colerus, die die Apotheke geerbt hatte, heiratete 1707 Georg Wolfgang Rechenberg (?-1710) – den Gesellen der Apotheke von Colerus, der damit Besitzer der Apotheke wurde. Rechenberg verwaltete die Apotheke nur drei Jahre lang – von 1707 bis 1710. Er starb zusammen mit der Frau während der Epidemie der Großen Pest und ließ keine Kinder zurück.
 

Diese Zeit war für Riga tragisch. Im Herbst 1709 kreiste die Armee des russischen Zaren Peter I. (1672-1725) Riga ein. Hungersnot, Beschießungen und Krankheiten vermehrten die Zahl der Toten mit jedem Tag. Im Frühling 1710 begann die Pestepidemie. Die Opferzahl war so riesig, dass die Pest von 1710 bis 1711 in der lettischen Geschichte als die Große Pest genannt wird. Von 9 Rigaer Apothekern überlebten nur 2 – der Besitzer der Großen Apotheke Nikolaus Martini und der Leiter der Krons-Apotheke Gabriel Lütkejohann, der an einem ziemlich isolierten Ort – der Zitadelle - tätig war. Von Ratsherren, Amtsältesten, Geistlichen und Ärzten blieb ungefähr die Hälfte am Leben. Die Einwohner der Stadt starben familienweise, und viele Häuser wurden völlig leer. Auch die Eigentümer von der Familie Rechenberg hatten keine Erben und übergingen in die Verwaltung der Stadt. Nachdem die Apotheke ein Jahr geschlossen blieb, verkaufte die Stadtverwaltung sie zusammen mit dem Gebäude. 1711 kaufte sie Apotheker Jakob Gasseus in einer öffentlichen Versteigerung.
 

Jakob Gasseus (1686-1751) wurde in Arensburg auf der Saaremaa in der Familie eines Schneiders geboren. Nach der Schule verließ er seinen Heimatort und kam nach Riga, um Apothekerberuf zu erlernen. Er wurde Apothekerlehrling bei Andreas Stöver, der zu dem Moment die Apotheke besaß, die später mit dem Namen Hirsch-Apotheke bekannt wurde. Nach den Lehrjahren wurde Gasseus Geselle und blieb bei Stöver arbeiten. Als Stöver während der Großen Pest starb, übernahm Gasseus die Leitung der Apotheke. Das Jahr 1711 brachte in sein Leben große Veränderungen. In kurzer Zeit wurde er Rigaer Bürger, heiratete die Witwe von Stöver und wurde Besitzer der Apotheke Stövers. In den schweren Umständen musste der Apotheker viele verschiedene Probleme lösen, um zu überleben, vermögend zu werden und seine neue Familie zu unterhalten. Damals befand sich die Apotheke Stövers in der Vorstadt, in der Großen Sandstraße (später Alexanderstraße). Ihre finanzielle Lage war nach der Zeit des Krieges und der Pest ziemlich traurig. Die Vorstadt war ausgestorben, man konnte auf kein Einkommen hoffen, deshalb fasste Gasseus Ende 1711 den Beschluss, die Apotheke zu schließen. Ihre Arbeit erneuerte er erst nach 10 Jahren, und dann befand sich die Apotheke im Zentrum der Stadt.
 

In derselben Zeit kaufte Gasseus in der Versteigerung die Kalkstraßen-Apotheke, und nach einigen Monaten begann diese zu arbeiten. Das Schicksal der Kalkstraßen-Apotheke war wieder in sicheren Händen. Jakob Gasseus hatte einen guten Ruf unter den Rigaern mit seinem Geschick, Verstand und Aktivität erworben. 1715 trat er in die Große Gilde ein, schnell wurde er zu einem der führenden Mitglieder der Gilde, im Jahre 1737 verteidigte er die Interessen der Apotheker als der Älteste der Großen Gilde. Der Rigaer Rat hat ein neues Apothekenreglement ohne Abstimmung mit den Gilden angenommen. Der Skandal kam sogar bis zur nordischen Hauptstadt Petersburg, und Gasseus bewirkte, dass man das Reglement umarbeiten musste, an der Umarbeitung nahmen die bedeutendsten Apotheker Rigas teil.
 

Das Vermögen von Gasseus vermehrte sich. Er kaufte ein Landgut von Dunte in Spilve (Spilwe), ein prachtvolles Haus in der Sandstraße. Das alles bedeutete aber nicht, dass er nur an sich selbst dachte. Beiden seinen Pflegesöhnen gab er eine gute Ausbildung und ein vermögendes Leben. Beide wurden reich, und der Pflegevater sorgte dafür, dass jeder von ihnen eine Apotheke in Riga bekommt. Auch die Lehrlinge von Gasseus richteten sich gut ein, doch ihnen gehörten die Apotheken in anderen Städten.
 

1751 starb Gasseus, und seine Witwe Elisabeth Gasseus, verw. Stoever, verw. Schlevogt, geb. Graff (1677-1763) wurde Besitzerin der Apotheke. Das Leben von Elisabeth ist bewundernswert, denn sie überlebte die Große Pest, bestattete ihre drei Ehemänner, zog zwei Söhne groß und nach dem Tod des letzten Mannes war noch 12 Jahre lang – von 1751 bis 1763 – die Apothekebesitzerin. Sie starb 1763 im Alter von 86 Jahren und vermachte die Kalkstraßen-Apotheke ihrem Sohn aus der zweiten Ehe Andreas Stoever. Von 1752 bis 1769 verwaltete die Apotheke der Provisor Gabriel Georg Haacke.
 

Andreas Stoever (1709-1773) – Apothekebesitzer von 1764 bis 1773 – war kein Apotheker. Er hatte Jura in Leipzig und Halle studiert. In Riga hatte Stoever hohe Ämter im Rat: 1735 wurde er Sekretär des Rigaer Rats, 1743 – Obersekretär, 1762 – Oberkassierer, 1765 – Obervogt, 1773 starb er als einer der leitenden Bürgermeister in Riga. Zu seiner Ehefrau wählte er eine Nachkomme einer bedeutenden Familie – Sophie Katharina Berens. An der Apotheke hatte er wenig Interesse. Ihre Verwaltung vertraute Stoever 1770 und 1771 dem Provisor Samuel Christoph Kummerow (?-vor 1793) an, danach verwaltete der Sohn von Andreas – Jacob Johann Stoever die Apotheke, der nach dem Tod des Vaters die Apotheke geerbt hatte.
 

Jacob Johann Stoever (1739-1792) war Besitzer der Apotheke von 1771 bis 1792. Den Apothekerberuf lernte er von 1754 bis 1760 in der Apotheke bei Gasseus, denn der Pflegegroßvater wollte, dass er Apotheker wurde. Danach studierte Jacob Johann Chemie, Botanik und andere interessante Sachen in Berlin. Er war auch sehr gesellig, und im Jahre 1765 war er der Älteste der Rigaer Bruderschaft der Schwarzhäupter. Genau er erbte alle Eigentümer von Gasseus in der Umgebung von der Kalkstraße und Schmiedestraße: Häuser, Lagerräume und die Apotheke, doch es scheint, dass er der Apotheke wenig Aufmerksamkeit widmete. Nach seinem Tod 1792 erbte seine Witwe Anna Kaharina, geb. Jacobs (1751-1793) die Apotheke, sie starb leider nach einem Jahr. Zu Erben wurden die Kinder von Stoever, deren Vormünder die Verwaltung der Apotheke dem Provisor J. K. Kücke anvertrauten. Da die wirtschaftlichen Ergebnisse von 1793 bis 1795 sehr miserabel waren, verkauften die Vormünder die Apotheke.
 

1796 kaufte der Provisor Jakob Karl Friedrich Kücke (1765-1800) die Apotheke. Er stammte aus Hannover und arbeitete seit 1790 in Riga in der Apotheke von Stoever. Er nutzte die Gelegenheit und kaufte die Apotheke, doch er hatte keinen großen Erfolg. Nach seinem plötzlichen Tod im Jahre 1800 stellte es sich heraus, dass die Apotheke große Schulden hatte, und die Kreditoren verkauften sie in der Versteigerung.
 

Johann Georg Kirchhoff (1745-1810) kaufte die zugesiegelte Apotheke samt dem Haus. 1800 erhielt er das Privileg der Kalkstraßen-Apotheke. Er war ein bedeutender Mann in der Stadt – ein langjähriger Vorgesetzter der Domkirche und seit 1796 – der Älteste der Großen Gilde. Als Besitzer der drittältesten Apotheke in Riga, ein gebildeter und gesellschaftlich aktiver Mensch nahm er an der Gründung des Rigaer Pharmazeuten- und Chemikervereins im Jahre 1803 teil. Er besaß die Apotheke von 1801 bis 1810. Nach dem Tod von Kirchhoff im Jahre 1810 erbte seine Witwe die Apotheke.
 

Anna Margarete Kirchhoff, geb. Lado (~1755-1815) wurde zur Ehefrau von J. G. Kirchhoff im Jahre 1779 und war die Apothekebesitzerin von 1810 bis zu ihrem Tod im Jahre 1815. Die ganze Zeit verwaltete ihr Sohn Martin Karl die Apotheke.
 

Martin Karl Wilhelm Kirchhoff (1786-1859) wurde der Apothekebesitzer nach dem Tod seiner Mutter, ihm gehörte die Apotheke bis 1837. Als Sohn des Apothekers begann er schon früh in der Apotheke zu arbeiten, deshalb erwarb er schon 1804 das Diplom des Apothekerhelfers. Dabei war er der Erste, der die Prüfungen im Rigaer Pharmazeuten- und Chemikerverein machte. Schon zu Lebzeiten seiner Eltern leitete er die Apotheke und gleichzeitig studierte 1804 und 1805 Philosophie an der Universität in Dorpat, später – Botanik in Berlin. 1811 veröffentlichte Kirchhoff seinen "Plan zum Selbststudium der Pharmazie", in dem er den anderen seine Erfahrungen mitteilte, wie man besser den Beruf des Apothekers lernen kann. Er leitete die Apotheke erfolgreich, doch er hatte einen breiten Interessenkreis auch außer der direkten Arbeit. Deshalb verkaufte Kirchhoff jun. 1837 die Kalkstraßen-Apotheke und lebte weiter in Riga als ein unabhängiger Wissenschaftler. Seit 1818 war er mit Eleonora Dorothea, geb. Kilian verheiratet. Martin Karl Kirchhoff starb 1859 in Augsburg.
 

Der nächste Apothekebesitzer war der Doktor der Philosophie Gustav Friedrich Weiss (1808-1881). Er besaß die Kalkstraßen-Apotheke von 1837 bis 1858. Weiss hatte Pharmazie an der Universität in seiner Heimatstadt Dorpat von 1830 bis 1832 studiert, danach erwarb er den Doktortitel der Philosophie in Deutschland. Bevor er die Kalkstraßen-Apotheke kaufte, gehörte ihm eine Apotheke in Grobiņa (Grobin). Er war ein angesehener und reicher Mann, der sowohl für seine Apotheke als auch für die Entwicklung der Pharmazie insgesamt sorgte. Seine Zeit begann für die Kalkstraßen-Apotheke mit großen Veränderungen, denn Gustav Weiss versetzte die Apotheke von deren alten Stelle in sein Privathaus, dessen Adresse damals Kalkstraße 26 lautete (jetzt Kalkstraße 10). Nach 182 Jahren hatte die Apotheke ein neues Zuhause in einem modernen Gebäude gefunden. Obwohl der neue Ort nicht weit von dem Früheren lag, hatte dieser Abschnitt der Kalkstraße eine ganz andere Atmosphäre, denn hier herrschte die Stimmung des alten Stadtzentrums. Vom Stadtrand war die Apotheke an einen historisch wichtigen Ort gekommen, um den sich viele wichtige Ereignisse abgewickelt hatten, die in den alten Stadtmauern widerhallt hatten. Die Apotheke hatte sich gut in dem neuen Zuhause eingewohnt. Von 1837 bis 1858 war Weiss ein aktives Mitglied des Rigaer Pharmazeutenvereins. 1838 hatte er Anna Luise Auguste Schreiber geheiratet.
 

1858 verkaufte Gustav Weiss die Apotheke, nachdem er dort 21 Jahre lang gearbeitet hatte. Fortan widmete er sich der Schulung der neuen Angestellten in der Apotheke. Bis zu seinem Tod im Jahre 1881 arbeitete er als Lehrer in der Rigaer Phramazeutenschule und betrachtete diese Arbeit als eine der wichtigsten Aufgaben in seinem Leben.
 

Die Kalkstraßen-Apotheke wurde von dem Kurländer Adolf Julius Peltz (1817-1899) gekauft. Ihm gehörte die Apotheke von 1858 bis 1869. Seine Lehrjahre verbrachte er in Jelgava (Mitau), als Apothekerhelfer arbeitete er in Reval und Petersburg. Nach dem Studium in Dorpat kehrte Peltz 1841 nach Petersburg zurück, anfangs arbeitete er bei dem Apotheker Georg Ganger, von 1847 bis 1858 besaß Peltz seine eigene Apotheke in Petersburg. In Riga beteiligte sich Peltz am gesellschaftlichen Leben der Apotheker, trat in den Pharmazeutenverein ein, war dessen Sekretär. Peltz heiratete Sophia Elisabeth Hinst. Nachdem Peltz die Kalkstraßen-Apotheke im Jahre 1869 verkauft hatte, ging er nach Petersburg, wo er sowohl im Laboratorium der Gerichtschemie des Pharmazeutenvereins als auch in der Redaktion der „Pharmazeutischen Zeitschrift für Russlands“ tätig war. Er arbeitete auch an der neuen Pharmakopöe. 1870 wurde er Ehrenmitglied des Rigaer Pharmazeutenvereins. Nach einiger Zeit wurde er Assessor im Kollegium und starb 1899 in Petersburg.
 

Der nächste Besitzer der Kalkstraßen-Apotheke war Theodor Friedrich Buchardt (1839-1906) - ein bedeutender Mann und ein aktiver gesellschaftlicher Arbeiter. Er war der Sohn eines Müllers aus einem kurländischen Landgut. Ihm gehörte die Apotheke von 1869 bis 1897. Er hat in Jelgava und Kandava (Kandau) die Schule besucht, wurde Apothekerlehrling in der Löwen-Apotheke in Riga, arbeitete als Apothekerhelfer in Dorpat und Riga. 1865 und 1866 studierte Buchardt Pharmazie an der Universität in Dorpat. Nachdem er den Provisorstitel erworben hatte, wurde er Besitzer der Filiale der Löwen-Apotheke in Dobele (Doblen). 1871 trat Buchardt in den Rigaer Pharmazeutenverein ein, von 1879 bis 1882 war er Vereinssekretär. Dabei arbeitete er aktiv mit dem Pharmazeutenverein von Kurland zusammen und wurde dessen korrespondierendes Mitglied. Eine lange Zeit war er Vorstandsmitglied und Aktivist in vielen gesellschaftlichen Organisationen z. B. Hilfskasse, Witwen- und Waisenkasse. Zu seinem 75. Jubiläum verlieh ihm die Studentenkorporation „Curonia“ ihre Farben und ernannte ihn zu ihrem Philister. Im Jahre 1903 wurde Buchardt Ehrenmitglied des Pharmazeutenvereins. Die Frau von Buchardt war Leontine Weiss, die Tochter des ehemaligen Apothekebesitzers Gustav Weiss. Die Arbeit für die Gesellschaft und das Interesse an verschiedenen Problemen, die mit Pharmazie verbunden waren, war ein Teil des Lebens von Theodor Buchardt bis zu seinem Tod im Jahre 1906.
 

In der Zeit von Theodor Buchardt blieb die Apotheke am alten Ort - im Haus von Gustav Weiss, das sie 1837 bezogen hatte, und deren Adresse – Kalkstraße 26 – blieb dieselbe mehr als 100 Jahre lang. Ernste Veränderungen erlebte die Apotheke 1892. Nach 237 Jahren musste die Apotheke ihren Namen ändern. Das geschah deshalb, weil eine zweite Apotheke – die Löwen-Apotheke – im Jahre 1892 in der Kalkstraße eröffnet wurde und somit hatte der Name der Kalkstraßen-Apotheke ihren Klang verloren. Fortan und auch weiter fast 50 Jahre lang wurde sie die Apotheke von Buchardt genannt. Auch mit diesem Namen blieb die Apotheke eine der besten und bedeutendsten Apotheken in Riga. Die Apotheker hielten es für eine große Ehre, hier arbeiten zu dürfen, neue Fachleute erwarben die Fertigkeiten der Apothekerarbeit, und jeder von ihnen hatte einen Traum, diese angesehene Apotheke einmal zu besitzen.
 

Die Zeit von Theodor Buchardt in der Apotheke ist noch mit einem interessanten Ereignis verbunden, das an die historische Bedeutung des Standortes der Apotheke erinnern ließ. Um 1887, während man das frühere Laboratorium der Apotheke renovierte, fand man unter der Wandtünche ein Gemälde, auf dem eine singende Nonne mit Notenzeichen dargestellt worden war. Die Entstehungszeit des Gemäldes war nicht bekannt, doch es war deutlich, dass es alt war und mit anderen Gebäuden der Kalkstraße verbunden sein konnte. Es ist möglich, dass man die Wand aus einem alten Haus samt dem Gemälde in das Apothekenhaus während der Bauarbeiten eingebaut hatte. Also konnte sowohl das Gemälde als auch die Wand ein Teil der historischen Gebäude des Konvents vom Heiligen Geiste sein und die dargestellte Nonne - Vertreterin des Konvents der Grauen Schwestern sein, die den Kranken, den Schwachen oder den Kindern singt. Das alte Konventgebäude befand sich teilweise an der Stelle des Apothekegebäudes, deshalb konnte sich beim Bauen des neuen Hauses eine Wand aus dem alten Haus erhalten. Theodor Buchardt verstand es und schätzte, deshalb bedeckte er das Gemälde nicht. Um das Gemälde zu schützen und zu bewahren, richtete er eine schiebbare Holzwand ein, womit man bei Bedarf das Gemälde abdecken konnte. Später wurde leider diese Wand mit Ölfarbe angestrichen und das herrliche historische Gemälde verschwand unter der Farbenschicht.
 

1897 bekam die Apotheke von Buchardt einen neuen Besitzer, Magister der Pharmazie Ernst van der Bellen (1862- ~1901). Seine Heimatstadt war Arensburg, wo sein Vater und auch sein Großvater Apotheker waren. 1886 und 1887 studierte er an der Universität von Dorpat. Von 1887 bis 1890 arbeitete er in der Apotheke der Universitätsklinik von Dorpat. Nachdem van der Bellen 1890 den Magistertitel der Pharmazie erworben hatte, arbeitete er in derselben Apotheke als Verwalter. 1897 kaufte er die Kalkstraßen-Apotheke in Riga, doch er konnte sich keinerlei den Umständen in Riga anpassen, deshalb verkaufte er nach 3 Jahren die Apotheke und kehrte in seine Eigentümer auf das heimatliche Saaremaa zurück.
 

1901 wurde Paul Seebode (1860-1943) Besitzer der Apotheke von Buchardt. Ihm gehörte die Apotheke bis 1911. Paul Seebode hat die damals berühmte Rigaer Pharmazeutenschule absolviert, die im ganzen russischen Imperium bekannt war und deren Absolventen jede Apotheke gern unter ihren Mitarbeitern hatte. Seine Lehrjahre verbrachte Seebode in der Apotheke von Buchardt, aber als Apothekerhelfer arbeitete er in der Apotheke von Anspach. Von 1884 bis 1886 hat er in Dorpat studiert, 6 Monate lang diente er freiwillig in der russischen Armee, bis er Verwalter in der Apotheke von Anspach wurde. Er hatte genug Kenntnisse, Erfahrung und Mittel, um 1892 die Apotheke von Anspach zu mieten. 1901 wurde er Besitzer der Apotheke von Buchardt. Seebode war ein fähiger, tüchtiger, geschickter und erfahrener Apotheker, deshalb wurde er schon im Alter von 40 Jahren Besitzer von einer der besten Apotheken in Riga und konnte mit allem fertig werden. Seebode hatte auch verschiedene gesellschaftliche Verpflichtungen. Von 1902 bis 1912 war er Vorgesetzter des Rigaer Pharmazeutenvereins. Die Apotheke arbeitete mit Erfolg, der Umsatz vergrößerte sich, doch es fehlte an freien Mitteln. Dann fasste Seebode den Beschluss, einen Kompagnon zu suchen. Zu seinem Kompagnon wurde 1905 Magister der Pharmazie Gustav Weiss II. - ein ernster und tüchtiger Mann. Seebode, der sein ganzes Leben Erfolg gehabt hatte, wurde allmählich zum Pechvogel. Immer öfter widmete er sich verschiedenen zweifelhaften Geschäften und am Ende erlitt einen Verlust nach dem anderen. 1911 musste er sich auf die Apotheke verzichten. Danach ließ Seebode sich in Russland nieder und beschäftigte sich mit verschiedenen Spekulationen. Bald wurde er sehr reich, bald – völlig arm. Die letzte bekannte Information kommt aus 1930, es war bekannt, dass er in sehr ärmlichen Verhältnissen in Berlin lebte.
 

Während des 20. Jhs. erlebte die Apotheke von Buchardt mehrere unterschiedliche Perioden, die reich an vielen verschiedenen Ereignissen waren. Der Anfang des Jahrhunderts war unruhig. Die Stürme des Krieges und der Revolution berührten auch die Apotheke. In dieser Zeit war der Apothekebesitzer der bedeutende Apotheker, Pharmaziemagister Gustav Eduard Alexander Weiss II. (1874-1945), der als Kompagnon schon 1905 in der Apotheke zu arbeiten anfing. Nachdem Seebode die Apotheke verlassen hatte, wurde zum Kompagnon von G. Weiss der Provisor Axel Kreutzstein (1871-1918). Er stammte aus Rūjiena (Rujen), hatte das Rigaer Gymnasium absolviert, seine Lehrjahre in der Kliverholm-Apotheke verbracht. Im Unterschied zu der Mehrheit der Provisoren hatte er an der Universität in Kasan studiert. Sein Arbeitsweg begann er als Provisor in der Apotheke von Buchardt und später wurde Mitbesitzer dieser Apotheke. 1913 kam noch ein dritter Kompagnon hinzu – Pharmaziemagister Charles Beck (1871-1931). 1918 starb A. Kreutzstein, und G. Weiss II. und Ch. Beck leiteten die Apotheke zu zweit bis 1921.
 

Pharmaziemagister Gustav Weiss wurde 1874 in Petersburg geboren. Sein Vater war ein reicher Kaufmann und Ehrenbürger von Petersburg. Doch die Familie Weiss war eng mit dem Apothekerberuf und Riga verbunden, mehrere bedeutende Rigaer Apotheker waren mit Weiss eng verwandt. Er war Vetter des Pharmaziemagisters Theodor Wasmus, Neffe des Apothekers Theodor Buchardt, Enkel des Apothekers Dr. Gustav Weiss I. und Urenkel des Apothekers Heinrich Schreiber – des ehemaligen Besitzers der Kleinen Apotheke. G. Weiss II. ging in Riga und Dobele in die Schule, die Lehrjahre verbrachte er in der Apotheke bei seinem Onkel Buchardt. Als Geselle arbeitete er zuerst bei Frau Kirschfeld in der Großen Moskauer Apotheke, danach – wieder in der Apotheke von Buchardt bei van der Bellen. Im zweiten Semester 1899 trat er in die Universität von Dorpat ein, studierte dort bis zum zweiten Semester 1900, dann ging er nach Moskau, wo er 1901 Provisor wurde. Von 1901 bis 1903 studierte G. Weiss II. im Magisterprogramm und gleichzeitig arbeitete im Laboratorium der Firma „Ferrein“ und ergänzte seine Kenntnisse in der analytischen Chemie und Bakteriologie, indem er spezielle Kurse besuchte, - das alles erforderte große Kräfte, doch zeugt auch davon, mit welchem Ernst G. Weiss II. sich auf sein Berufsleben vorbereitete. 1904  erwarb er den Magistertitel der Pharmazie in Moskau, indem er die Arbeit „Материалы для ближайшего знакомства с чистотелом“ verteidigte.
 

1904 richtete G. Weiss II. das Laboratorium der analytischen Chemie und der Bakteriologie in der Weberstraße ein, das er 1905 der Apotheke von Buchardt anschloss. 1908 eröffnete er im Johannishof unter seinem Namen das Laboratorium der pharmazeutischen Präparate. 1910 begann G. Weiss II. Pflaster herzustellen, um die Tätigkeit seiner Apotheke zu erweitern.
 

Als der Erste Weltkrieg im Jahre 1914 begann, standen sehr große Warenvorräte der Abteilung „Engros“ (aus dem Französichen, bedeutet „im großen“) der Apotheke von Buchardt zur Verfügung, dabei wuchs die Nachfrage nach den Medikamenten sehr schnell, die Preise wurden größer und die Apotheke brachte ihren Besitzern großes Einkommen.
 

Das Jahr 1919 brachte mit sich große Veränderungen, als in Riga für mehrere Monate Bolschewiki zur Macht kamen. Davor haben viele Rigaer aus Angst vor Bolschewiki die Stadt verlassen, darunter auch G. Weiss II. und Ch. Beck. Die Leitung der Apotheke vertrauten sie dem Apothekeangestellten, dem Provisor A. Miezītis an, doch weder er noch jemand anderer konnte die Nationalisierung und das Ruinieren der Apotheke verhindern. Da die Apotheke von Buchardt eine der wirtschaftlich am stärksten und eine der bedeutendsten Apotheken in Riga war, wurde sie als eine der ersten enteignet und als Apotheke Nr. 1 des Arbeitsvolkes umbenannt. Hier wurden die Medikamente den Arbeitern und verschiedenen bekannten sowjetischen Funktionären umsonst ausgereicht. Ein Teil der Apothekevorräte wurde enteignet und in ein Aufbewahrungszentrum gebracht. Die Apotheke erlitt große materielle Verluste. Zum Glück dauerte die Periode der sowjetischen Macht in Riga nicht lange (Januar 1919 - Mai 1919), danach normalisierte sich bald das Leben in der Stadt. Als 1920 die Besitzer der Apotheke von Buchardt nach Riga zurückkehrten, mussten sie feststellen, dass die Apotheke ausgeraubt ist und sie nur wenige der nötigsten Waren hat. Man musste alles von Anfang an beginnen, dafür brauchte man sowohl Geld als auch eine große innere Kraft. Vielleicht deshalb verzichtete Pharmaziemagister Ch. Beck 1921 auf seinen Apothekeanteil und ging nach Deutschland, wo er sich 1922 in Lübeck niederließ. Die Probleme der Apotheke von Buchadt musste G. Weiss II allein lösen. Er hat das geschafft, dafür gab es mehrere Voraussetzungen. Eine davon – das Apothekehaus gehörte seit 1912 G. Weiss II., denn er hat es von den Erben von Buchardt gekauft. Dieser Umstand erleichterte die finanzielle Lage der Apotheke, denn man musste keine Miete für die Räume zahlen. Der zweite Faktor: G. Weiss II. war jetzt der einzige Apothekebesitzer und konnte alle Probleme nach seinem Verstand lösen. Und schließlich war er ein begabter Apotheker und ein erfolgreicher Unternehmer, der einen Ausweg aus verschiedenen schwierigen Situationen zu finden wusste. Schon im Jahre 1921 gelang es G. Weiss II., die wirtschaftliche Lage der Apotheke zu stabilisieren, und die Leitung der Apotheke vertraute er zwei fähigen Apothekern an: Theodor Wasmus (1876-1960) und Rūdolfs Mešķeris (1888-1964). Er selbst organisierte an der Apotheke ein bakteriologisches Laboratorium und leitete es. Leider blieben diese zwei Leiter nicht lange in der Apotheke von Buchardt, denn sie wollten jeder seine eigene Apotheke besitzen. Beide konnten ihre Träume verwirklichen, und nach einem anderthalben Jahr verließen sie die Apotheke von Buchardt. R. Mešķeris kaufte die ruinierte Altstadt-Apotheke und verwandelte sie in kurzer Zeit in eine gut eingerichtete und dem Zeitgeist entsprechende Apotheke. Th. Wasmus erhielt die Konzession für die Eröffnung der Bären-Apotheke. Ihre Adresse war damals Brīvības Straße 148, jetzt – Brīvības Straße 154.
 

Von 1922 bis 1931 leitete die Apotheke Provisor Gustav Schwartz, danach – Artur Soldtner, der ein Deutscher war, aber 1874 in Russland geboren wurde. Soldtner lernte in Liepāja (Libau), seine Lehrjahre verbrachte er in Jelgava. Das Provisorsdiplom erwarb er 1898 an der Universität in Dorpat. Von 1920 bis 1925 arbeitete Soldtner in der Löwen-Apotheke in Riga, danach kam er in die Apotheke von Buchardt und arbeitete dort die ganze Zeit, während Lettland ein freier Staat war. Im Jahre 1930 feierte die Apotheke ihr 275. Jubiläum. Zu Ehren dieses Ereignisses wurde in der Apotheke ein Gemälde ausgestellt, auf dem altertümliche Innenaussicht der Kalkstraßen-Apotheke dargestellt war.
 

1939 wurde die Apotheke an Pharmaziemagister Jānis Blumbergs (1912-1980) verkauft. Der Magister G. Weiss II. verkaufte Blumbergs nur die Apotheke, aber nicht den Namen „Apotheke Th. Buchardt“, deshalb wurde dieser Name im Handelsregister gestrichen. 1940 bat Blumbergs die Pharmazieverwaltung, der Apotheke den Namen „Viestura-Apotheke“ zu verleihen. Mit diesem Namen arbeitete die Apotheke von 1940 bis 1944, mit einer kurzen Unterbrechung im Jahre 1941, als sie auf eine kurze Zeit die Apotheke Nr. 5 der Hauptverwaltung der Apotheken wurde.
 

Jānis Blumbergs wurde 1912 im Kreis von Cēsis (Wenden) in der Gemeinde von Kūdums in der Familie eines Landwirts geboren. Er absolvierte die Mittelschule in Cēsis und begann sein Studium 1929 an der Universität Lettland in der Chemiefakultät in der Abteilung der Chemiker-Ingenieure. Während des Studiums machte J. Blumbergs sein Praktikum in der Friedens-Apotheke. 1933 erwarb er den Magistertitel in der Pharmazie und blieb an der Universität arbeiten. 1941 wurde er zum Assistenten im Lehrstuhl der Nahrungsmittelchemie gewählt, wo er bis zur Emigration im Jahre 1944 arbeitete. Er hat seine wissenschaftlichen Forschungen in der Nahrungsmittelchemie, Pharmazie und Bakteriologie veröffentlicht und war Mitglied des Chemikervereins Lettlands, des Pharmazeutenvereins Lettlands und „American Chemical Society“. 1944 floh J. Blumbergs zusammen mit seiner Familie zuerst nach Deutschland und weiter in die USA, wo er sein ganzes Leben in der chemischen Industrie arbeitete und sich mit Forschungen der Peroxid- und Polymerverbindungen beschäftigte. Seine Frau war die Tochter des Apothekers aus Mazsalaca (Salisburg) Nikolajs Daugulis. J. Blumbergs starb 1980 und ist im Highland Park in New Jersey (USA) bestattet worden.
 

Im Herbst 1940 vertraute Blumbergs die Verwaltung der Apotheke dem Phramaziemagister Eliass Kāns (1902- 80-er Jahre des 20. Jhs.) an. E. Kāns wurde in Piltene (Pilten) geboren, 1931 absolvierte er die Universität Lettland als Kandidat der Pharmazie. In Folge des Machtwechsels leitete Ernests Vanags (1889-?) die Apotheke anstelle von E. Kāns, doch im Herbst desselben Jahres übernahm E. Kāns wieder die Apotheke.

Die 40-er Jahre des 20. Jhs. zogen Lettland in den Kriegswirbel ein. Viele Einwohner verließen ihre Heimat und flohen. Einige begaben sich nach Westen, einige - nach Osten, doch alle hatten nur ein Ziel – am Leben zu bleiben. Der Leiter der Viestura-Apotheke E. Kāns kam in die Apotheke des Kriegshospitals der sowjetischen Armee, wo er alle Kriegsjahre verbrachte. Nach dem Krieg kehrte er nach Riga zurück und arbeitete in verschiedenen Rigaer Apotheken bis zu seinem Tod in den 80-er Jahren.
 

Der Krieg beeinflusste stark das Schicksal der Apotheke. Der Arbeitsumfang und die Angestelltenzahl schwankte sehr stark. Nach dem Krieg wurde Rasma Bolis (1913-?) die Leiterin der Apotheke. Sie wurde 1913 geboren, 1939 hat sie die Pharmazieabteilung der Chemiefakultät an der Universität Lettland absolviert und den Magistertitel erworben. Unter ihrer Leitung kam die Apotheke nach dem Krieg wieder zu sich und erweiterte ihre Arbeit. 1946 arbeiteten in der Apotheke 8 Angestellte. Bald folgten Veränderungen, denn die Nationalisierung und die Namensänderung der Apotheken begann, alle Apotheken verloren ihre Namen und bekamen eine Nummer. Seit 1949 wurde die Viestura-Apotheke zur Apotheke Nr.5 der Hauptverwaltung der Apotheken.
 

1949 änderte sich der Standort der Apotheke, sie verließ das Gebäude, in dem sie 112 mehr oder weniger erfolgreiche Jahre verbracht hatte. Der Weg bis zu neuem Zuhause war nicht weit, denn das Gebäude, wo die Apotheke den Rest ihres Lebens bis 1990 verbrachte, befand sich dortselbst in der Kalkstraße, in der ehemaligen Zone der Zwischenwälle, in einem historischen Gebäude an der Ecke der Kalkstraße und der Großen Königstraße (Kommunalstraße, jetzt Wagnerstraße). Die neue Adresse für die Apotheke war Kalkstraße 18. Dieses Gebäude wurde von 1762 bis 1766 vom berühmten Mäzen und Staatsmann Otto Hermann von Vietinghoff (1722-1792) für seine Familie gebaut. Das war ein dreistöckiges Gebäude mit einer prunkvollen Fassade. Neben diesem Gebäude finanzierte Vietinghoff den Bau des Gebäudes für den ersten Stadttheater, das wir jetzt als das Gebäude des Wagnersaals kennen. Das Wohnhaus von Vietinghoff wurde im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut. Der bedeutendste Umbau geschah 1884 nach dem Projekt des Architekten Karl Felsko (1844-1828), infolge dieses Umbaus bekam das Gebäude die vierte Etage und eine Fassade, die entsprechend den Modetrends der damaligen Zeit war. In diesem herrlichen Haus, im Erdgeschoss an der Kalkstraßenseite, fand die alte Kalkstraßen-Apotheke ihren Platz. Das Schicksal war für die Apotheke wohlwollend. Wie früher war sie eine der größten und besten Apotheken in Riga.


Die Zahl der Angestellten und der Umsatz wuchs schnell: 1951 – 14 Angestellte, 1960 – 26,5 Planstellen, 1970 – 43, 1980 – 48 Arbeitsstellen. Die Leiter der Apotheke waren professionelle und ernste Menschen: von 1951 bis 1962 leitete Provisor Josifs Zēlikmans die Apotheke, von 1962 bis 1983 – Provisorin Ilga Augule, von 1983 bis 1990 – Dzintra Bravacka und schließlich im Jahre 1990 – Māra Dineviča.


Die Apotheke arbeitete erfolgreich während der Jahre der sowjetischen Macht. Es war genug zu tun sowohl für die Rezepturabteilung als auch für die Realisationsabteilung der fertigen Medikamente. Das Belegschaft machte ihre Arbeit tadellos. Die Leitung der Apotheke war immer in sicheren Händen. Die Rigaer wussten das zu schätzen, deshalb fehlte der Apotheke niemals an Patienten. Der Besuchersaal der Apotheke mit seiner Weite und Ruhe gab jedem Kranken Sicherheitsgefühl und Vertrauen, deshalb kamen viele in diese Apotheke sogar aus den weitesten Bezirken der Stadt. Und plötzlich – gab es die Apotheke nicht mehr. 1990 wurde die Apotheke wegen der Renovierung geschlossen, doch am 1. Februar 1992 wurde die älteste funktionierende Apotheke vollkommen geschlossen. Ein für die Rigaer Pharmazie bedeutendes historisches Denkmal wurde zerstört. Für diejenigen, die das prunkvolle Haus von Vietinghoff begehrten und die Apotheke daraus jagten, hatten wahrscheinlich irgendwelche Argumente für ihr bösartiges und selbstsüchtiges Handeln. Doch denjenigen, die die Apotheke liquidiert haben, ohne zu versuchen, sie als eine historische Zeugin zu retten, helfen keine Argumente. Zu diesem Zeitpunkt ist das Haus von Vietinghoff, das man der Apotheke weggenommen hatte, schon fast völlig eingestürzt.


Das Leben der Kalkstraßen-Apotheke war zu Ende im Alter von 335 Jahren, als die Kalkstraße nach fast fünf Jahrzehnten ihren historischen Namen wieder bekommen hatte. Über das Leben der Apotheke im alten Riga wissen wir ziemlich Vieles, da die Forscher der Pharmaziegeschichte Materialien über die Apotheken in Riga gesammelt und zusammengefasst haben. Auf jetzige Forscher wartet nun die Arbeit, die letzten 44 Jahre im Leben der Apotheke auszuwerten, wie die Apotheke die Sowjetzeit überlebt hatte und damit die Namen und die Werke ihrer Leiter und Angestellten nicht in Vergessenheit geraten würden.


Wie schmerzt das Herz über die Kalkstraßen-Apotheke!


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